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Musikalisches Feuerwerk

(G.J.) Es war ein Konzert, wie man es nicht alle Tage zu hören bekommt, denn diesem einzigartigen Klangkörper lässt sich nur mit Superlativen beikommen. Über zwei Stunden lang bot das Quartett VallesantaCorde in der evangelischen Kirche exzellentes Klangwerk, das den Zuhörern vom faszinierend-ergriffenem Lauschen bis hin zum frenetischen Jubel so ziemlich jede positive Reaktion abverlangte.

Die einleitenden Worte sprach Jens Schlichting, zuständig für die Konzerte des Kulturfördervereins. Er habe dieses Quartett im letzten Sommer in Italien spielen hören und als er erfahren habe, dass 2006 eine Deutschlandtournee geplant sei, habe er spontan dieses Konzert arrangiert. Nicht ohne Grund, wie er erklärte, denn er sei sich sicher gewesen, dass das Quartett VallesantaCorde auch hier an der Bergstraße eine Fangruppe wie in Italien hätte. Er sei aufgrund der voll besetzten Kirche einfach überwältigt, dass seine Spontan-Aktion ein so tolles Echo unter den Musikfreunden gefunden habe.

Wer waren nun die vier, die so prächtig miteinander harmonierten und allesamt in Italien (Toskana) leben? Das waren die drei Deutschen mit Andreas Petermann (Violine), Hagen Hofmann (Gitarre), Renate Titze (Kontrabass) und der Argentinier Carlos Santa Maria (Percussion). Die Resonanz im Publikum beflügelte die Musiker fortwährend zu musikalischen Höhenflügen. Hinter ihrer legeren Interpretation der Stücke, prächtig gespielter Improvisation, verbarg sich aber auch eine in intensiver Probenarbeit angeeignete Disziplin. Einen Musikgenuss hatte Jens Schlichting versprochen, was aber dann das Quartett bot, war allerdings mehr als das: Grandios.

Furios schon der Auftakt mit dem Stück "Ele Chamda Libi", das so viel heißt wie "Möge den Herz tanzen und lachen". Eine jüdische Tanzmusik, die zur Musikgattung "Klezmer" gehört, eine seit dem 15./16. Jahrhundert vor allem in Osteuropa gespielte Musik von jüdischen Volksmusikanten, die umherzogen und zu privaten Festen, bei religiösen Feiern musizierten oder zum Tanz aufspielten.







Am Ende der 1960er Jahre ist diese Musik durch das Folk-Revival in Europa wieder sehr populär geworden. "Nicht einfach in einer Kirche Tanzmusik zu spielen, aber wir spielen sie trotzdem", meinte dazu der Gitarrist Hagen Hofmann. Dass hier ein Quartett von Rang spielte, war auch bei den verschiedenen "Klezmer-Stücken" wie "Chava", "Fire Dance", "Sher" oder "Shalom/Freilach" zu spüren, wobei der Geiger Andreas Petermann immer wieder diverse Glanzlichter setzte. Denn da spielte nicht nur ein Geiger mit einer exzellenten und geschmeidigen Bogentechnik, bei dem Auf- und Abstrich perfekt ineinander übergehen, sondern es spielte auch ein Geiger mit einer präzisen Grifftechnik, der feinste Verzierungsverästelungen genau so meisterte wie Zwei- und Mehrstimmigkeiten. Der Gitarrist Hofmann arrangierte diese Stücke für das Quartett. Seinen Arrangements, die alle ein etwa gleiches Schnittmuster erkennen lassen, hat er den Stempel aufgedrückt. Eine Masche? Nun jedenfalls eine unverwechselbarer Sound, ein Markenzeichen, das den Erfolg garantiert. Wunderbar die filigrane musikalische Arbeit, die virtuose Beherrschung der Instrumente bei dem Stück "Aitoska" aus der bulgarischen Folklore im ungewohnten 7/8 Takt. Auch den argentinischen Tango, ein aus Elementen des Habanera in der Umgebung von Buenos Aires entstandener Tanz, hat das Quartett als anspruchsvolle Kunstmusik vereinnahmt. Ursprünglich für Bandoneon komponiert, hat ein argentinischer Komponist die Tangos "Milonga del Angel", "Verano Portegno" und "Night Club" für das Quartet neu arrangiert. Den Musikern gelang es bei ihrem traumhaften Zusammenspiel in ihre Tangomusik so viel echtes Feeling reinzulegen, dass das Zuhören ein reiner Genuss war.
Von seltsamer Faszination waren das Stück "Radelchen", angelehnt an Antonia Vivaldis "Die vier Jahreszeiten" sowie die Stücke "Tarras" Freilach", "Let"s be Cheerful" und "7 : 40", die das Publikum förmlich mitrissen.
Im toll gespielten ungarischen "Csardas" zeigte der Geiger Petermann nochmals seine ganze geigerische Raffinesse, verlor nie seine Virtuosität und sein elegantes Spiel, wenn auch mal eine Saite riss. Herzlich der Beifall als er dem Publikum zurief: "Wir fühlen uns unglaublich wohl hier". Sein Leitmotiv sei: "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum". Nach dem letzten Musikstück, dem "Csardas", gab sich das stehend applaudierende Publikum noch lange nicht zufrieden. Nach vielen Verbeugungsdefilees nahmen die vier Musiker nochmals Platz, um mit zwei hinreißend gespielten Zugaben, darunter auch die beliebte und immer wieder gern gehörte russische Weise "Kalinka", endgültig Abschied zu nehmen.

Odenwälder Nachrichten vom 22.3.2006:

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