Pressestimmen Herbsttour 2015

23.11.2015
Süddeutsche Zeitung am 23.11.2015

Wie ein warmer Abend am Meer

Die Band Vallesanta Corde begeistert vor kleinem Publikum im Glashaus Grafing mit Balkangrooves, Volkstänzen und Tangomelodien

Die mediterrane Stimmung trotz Weihnachstbeleuchtung zaubern Andreas Petermann (v. l.), Andi Bühler, Renate Titze und Hagen Hofmann mit ihren Stücken. (Foto: Christian Endt)

Scheinwerfer tauchen die Kakteen und den terrakottafarbenen Boden in ein Licht, so rot wie die untergehende Abendsonne über der Balkansteppe. Auch über Renate Titzes Gesicht legt sich der rote Schein, während sie am Kontrabass sachte die Saiten zupft. Zu den dumpfen Hüpfern, die sie dem Instrument entlockt, gesellen sich afrikanisch klingende Geigen-Melodien und lebendige Tonskalen osteuropäischer Musik auf der Gitarre. Gemeinsam mit den leichten Schlägen auf den Bongos entwickelt sich ein Klanggeflecht, das die Fantasie anregt und Bilder marokkanischer Lehmhäuser und weiter Steppen herbeizaubert.

Mit den südlichen Klängen der Gruppe Vallesanta Corde fühlt sich der Abend im Glashaus Grafing an, als verbringe man einen warmen Abend am Mittelmeer oder am Fuße des Balkangebirges. Auch das mediterrane Ambiente des Lokals verstärkt das Gefühl eines Kurzurlaubs im Süden. Selbst der Regen, der beständig auf das Dach des Glashauses plätschert, tut diesem Empfinden keinen Abbruch.

Welche Musikrichtung die vier Musiker von Vallesanta Corde machen, lässt sich nicht einfach beschreiben. Mit dem Oberbegriff “Weltmusik” behelfen sie sich bislang, sind aber damit nicht wirklich zufrieden. “Vielleicht müssen wir den Namen selbst noch kreieren”, sagt Violinist Andreas Petermann und lacht. Schwierig, wenn man so viele verschiedene Musikrichtungen im Repertoire hat: Tänze aus Irland und Griechenland, osteuropäische Folklore, Festtagsmusik aus Israel, argentinische Tangos. Häufig verbinden sich in den Liedern Melodien verschiedener Herkunft; manchmal sanft, manchmal fetzig, meist beides abwechselnd.

Die Musiker haben ein Talent dafür, mit ihren Stücken Bilder ferner Länder und Kulturen heraufzubeschwören. So erweckt das rhythmische Zwischenspiel der Percussion beim irischen Volkslied “Toss the feathers” die Vorstellung eines Tänzers zum Leben, um den sich – sobald die hüpfenden Violinakkorde hinzukommen – eine Dame wirbelnd im Takt wiegt. Beim Tanz “Viaggio Zigano” hingegen scheinen sich mehrere Frauen in bunten Gewändern um ein prasselndes Feuer zu drehen und die Röcke dabei schwingen zu lassen.

Erstaunlich ist auch die Ausdrucksstärke der vier Bandmitglieder. Sie scheinen durch ihre Haltung auch den Charakter ihrer Instrumente zu verkörpern: Während Hagen Hofmann die Augen geschlossen hält, wenn er sehnsuchtsvolle argentinische Tangomelodien auf der Gitarre zupft, scheint Andi Bühlers gesamter Körper am Schlagzeug unter Spannung zu stehen. So kraftvoll schlägt er mit Füßen und Händen gleichzeitig die verschiedenen Drums, Bongos und Becken, dass es einem allein beim Zusehen warm wird. Ganz anders Renate Titze am Kontrabass. Wenn sie mit abgeklärter Miene die Saiten ihres tief tönenden Instruments zupft, schwingt sie nur leicht im Takt mit. Lediglich, wenn die Melodie der Violine nach einem langsamen Part flotter wird, schaut sie zu Andreas Petermann hinüber und lächelt. Als freue sie sich darauf, wie er zur schnellen Musik mitwippt, die Violine zur Seite schwenkt und – wenn es besonders rasant wird – auch mal in die Knie geht.

“Wir spielen, weil wir Spaß daran haben”, erklärt Petermann. “Nicht, weil wir es müssen.” Denn eigentlich betreiben die deutschen Musiker in der Toskana die Musikschule “terra musica”, in der sie mit Workshops den Spaß am Musizieren weitergeben möchten. Nur zwei Mal im Jahr gehen sie für kurze Zeit auf Tour. Diesmal hat sie der Zufall nach Grafing gebracht: Ein Konzert in Nürnberg wurde abgesagt und ein Grafinger Bekannter organisierte kurzfristig das Glashaus als Spielstätte. Für das Publikum war es ein Glücksfall.